Taufpredigt 20.09.09 PDF Drucken E-Mail

Die (un)vergessene Kraft
2. Kor 12,9:


Ob´s reicht? – fragt sich ein Käufer an der Kasse als er in die Geldbörse schaut. Es wäre ihm peinlich, die Waren zurückgehen lassen zu müssen, weil das Geld nicht reicht.
Ob´s reicht? – fragt sich der führende Läufer auf der Zielgeraden, dessen Vorsprung schwindet. Es wäre bitter wenn der Sieg verloren ging, weil ihn am Ende die Kräfte verließen.
Ob‘ s reicht? –um den Krebs zu besiegen, fragt sich der Patient, nach OP und Chemo, oder wird die Krankheit stärker sein?
Ob´s reicht sein Leben an Jesus festzumachen, um im Leben und im Sterben festen Halt zu haben? 


Diese Frage ist auch mit der Taufe nicht vom Tisch, obwohl sie besiegelt: „Ich gehöre zu Jesus“ – und Jesus sagt: „Du gehörst zu mir“.  Es gibt Situationen im Leben, in denen alles was wir glauben und woran wir uns halten fragwürdig wird. In 2. Kor. 12 schreibt Paulus davon, dass er in seinem Glaubensleben nicht nur Höhen, sondern ebenso Tiefen erlebt, die über seine Kräfte gehen. Es sind Erfahrungen, die weh tun, an denen man sich wund reibt, weil sie sich wiederholen, oder sie sind so einschneidend, dass sie verletzen. Paulus umschreibt sie mit einem Bild. Er spricht von einem Dorn, der ihn ins Fleisch sticht und das ihn ein Engel Satans schlägt. Diese Erfahrung treibt Paulus ins Gebet und er erhält von Jesus die Antwort:
"Meine Gnade genügt für Dich, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung."  2. Kor 12,9.

Diese Antwort taucht die Höhen und Tiefen unseres Lebens in ein anderes Licht. Fürchte Dich nicht vor diesen Tiefen. Wenn Du mit Deiner Kraft am Ende bist, fängt Gott an. In Deiner Schwachheit  vollendet seine Kraft ihre Wirkung. Gott sei Dank, seine Gnade reicht. In der Taufe spricht Gott Dir zu, was er seinem Volk in Jesaja 41,10 sagte: Ich stehe zu Dir. Du musst nicht vor den Schwierigkeiten zurückweichen. Ich bin doch Dein Gott. Ich stärke Dich, ich helfe Dir auch. Ich halte Dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. 

Seine Kraft kommt nicht über uns wie ein Blitz, der von außen in unser Haus einschlägt. Sie hat einen Anfang, der leicht übersehen wird, und eine Vollendung die oft ausgeblendet wird. Damit das nicht geschieht, gab Gott dem Propheten Ezechiel eine Vision davon, wie er wirkt. Sie steht in Ez. 47. Der Prophet wird zum Tempel entrückt. Unter dem Osttor fließt ein unscheinbares Rinnsal aus dem Tempel heraus. Das ist wahrlich nichts Bewegendes, doch der Engel führt ihn ein Stück vom Tempel weg. Aus dem Rinnsal ist inzwischen ein breiter Bach geworden. Ezechiel soll hineingehen. Das Wasser reicht bis zu den Knöcheln. Es geht am Bach weiter, der zum Fluss wird. An der nächsten Station steht er bis zu den Knien im Wasser. Wieder ein Stück weiter reicht es ihm bis zu den Hüften. Schließlich kann er nicht mehr stehen, sondern wird von dem Fluss weggetragen. Als der Engel ihn am Ufer zurückführt hat dort alles zu grünen und zu blühen begonnen.

Das ist Gottes Vision für unser Leben: Seine Gnade reicht für Dich. Je tiefer sie in Dein Leben eindringt, desto mehr verändert sie es. Es entsteht und wächst ein neues Leben.
Dabei beginnt es fast unmerklich. Ezechiel wurde in der Vision zum Tempel geführt, neutestamentlich gesagt, zu Jesus. In Jesus ist Gott zu finden. Gott stieg vor fast 2000 Jahren in Jesus in unsere Welt ein, damit seine Gnade bei uns ankommt.
Viele Menschen können sich nicht vorstellen, was sein Leben und Sterben mit ihrem Leben zu tun haben soll. Es sind doch vor ihm und nach ihm viele Menschen zu Tode gefoltert worden. Weshalb soll gerade sein Tod für unser Leben Bedeutung haben?
So gesehen ist sein Leben und Sterben ein Rinnsal. Es ist leicht zu übersehen. Wer aber der Zusage Gottes in Jesus vertraut, und sich für Gottes Vergebung und Liebe öffnet, der erlebt: Jesus ist die Quelle neuen Lebens,
Die  Kraft zeigt sich im Leben. Der Strom der Gnade wächst. Gottes Liebe wird erfahrbar.

Zuerst reichte Ezechiel das Wasser bis zu den Füßen. Durch das Leben mit Jesus bekommt unser Leben Wegweisung, Klarheit, Richtung, Ordnung. Jesus sagt in Joh 8: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Schüler und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.  Wie das Wasser den Staub von den Füßen spült, so nimmt Jesus die Schuld weg, die uns an den „Fußsohlen“ – sprich unserem Lebensweg klebt. Jesus folgen heißt aus der Vergebung leben. Wir missverstehen sie aber, wenn wir stehen bleiben. Gottes Gnade reicht nämlich noch weiter. 

Sie verändert das Leben. Aus dem Rinnsal wird ein breiter Bach. Nun reicht das Wasser Ezechiel bis zu den Knien. Die Gnade führt uns in die Nähe Gottes, ins Gebetsleben ein.
Wir dürfen vor Gott auf die Knie gehen, beten unser Herz ausschütten und die Dimension des Hörens entdecken. Gott spricht. Wir erfahren seinen Willen in der Bibel. In der Begegnung mit Gott kommt es nicht mehr darauf an, dass Gott erfährt, was ich vorhabe. Er weiß es schon. Aber es kommt darauf an, dass ich erfahre, was Gott denkt, sagt und will. – Bist Du bereit auf alles zu hören, und auf alles zu antworten?

Es ist ein geistlicher Kampf, ob ich mir von Gott alles sagen lassen will oder nicht, weil ich Korrektur fürchte. Bist Du bereit Deine Schwäche zuzugeben?
Wenn aus Hören Gehorsam wird, erleben wir: Seine Gnade reicht weiter. Ezechiel taucht an der nächsten Stelle bis zu den Hüften ein. Die Hüften sind Symbol für die Kraft.  
Es entwickelt sich ein kraftvolles Leben, wenn wir Gott um konkrete Aufträge bitten, auf seine Impulse achten und ihm Raum geben. Wer sich von Gottes Gnade bewegen lässt, bringt etwas in Bewegung. Auf unser Gebet hin geschieht etwas: Unser Glaube gewinnt Kraft.

An dieser Stelle stehen wir in Gefahr stehenbleiben zu wollen. Zum andern können die großartigen Erlebnisse mit Gott dazu verführen,  überheblich zu werden. Darum ringt Paulus ringt in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth darum, dass sie weitergehen.
Wer bei den Höhenerlebnissen stehenbleibt, Stärke demonstriert, steht zwar bis zu den Hüften in der Gnade, doch letztlich noch auf eigenen Füßen.  Dies führt dazu, dass wir statt zum Segen, für andere zum Hindernis werden können. Sie resignieren: So werde ich nie glauben.., oder werden, um dazu zu gehören, zur Heuchelei verführt.

Doch zu den Höhen gehören auch die Tiefen. Der Strom der Gnade ist noch nicht am Ziel. Er gewinnt viel mehr Tiefe, wenn wir ihm weiter folgen. Dahin will uns das Jesuswort weisen:
Meine Gnade ist genug für Dich, denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.
Ezechiel konnte bei seinem nächsten Einstieg in den Strom nicht mehr stehen. Er tauchte ganz ein. Das ist Gottes Ziel für unser Leben: Wir sollen ganz in Christus sein, uns ganz vom Strom der Gnade mitnehmen, tragen und bewegen lassen.  
Jetzt sind die eigenen Grenzen wieder bewusst, aber auch Gottes Möglichkeiten. Nicht die Höhenerlebnisse sind wichtig. Was zählt ist die Tatsache: Gottes Gnade trägt.
Gott lässt es nämlich zu, dass das Leben an uns genauso wie  an anderen zerrt und rüttelt. Wir erleben Hilflosigkeit und Schwachheit, können den Halt unter den Füßen verlieren, doch das Entscheidende ist, dass wir im Strom der Gnade schwimmen. So müssen Krankheit, Not, Elend, zum Guten mitwirken. (Röm 8,28)

Um dies zu entdecken wird Ezechiel in der Vision nun den Strom bis zur Quelle zurückgeführt. An diesem Strom hat es zu grünen begonnen. Gott will unser Leben durch seine Gnade zur Oase machen. Alles was wächst ist, wächst aus der Verbundenheit mit Jesus. Es ist Frucht der Gnade.

Jesus selbst hat es uns vorgelebt. In seinem Sterben verließ er sich auf Gottes Gnade, obwohl ihm übel mitgespielt wurde. Doch mitten in diesem Leiden fassen  Menschen, die ihn in seinem Elend erleben, zu Gott Vertrauen. Einer der Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden, erkennt seine eigene Schuld. Er bittet Jesus um Gnade. Im Sterben öffnet sich für ihn der Himmel. Der Hauptmann, der die Exekution begleitete bekennt: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“. Nikodemus, der Jesus nur bei Nacht und Nebel aufgesucht hatte, wagt es, sich öffentlich zu Jesus zu bekennen. Auch Simon von Kyrene, der ein Stück das Kreuz von Jesus tragen musste, scheint zum Glauben gekommen zu sein. Seine Söhne werden im NT als Gemeindeglieder genannt. Und wir, die wir mit dem auferstandenen Christus leben, leben von der Vergebung, die er in seinem Sterben endgültig machte.

So gilt es auch euch, die Ihr euch Jesus anvertraut. Wenn Euch der Boden unter den Füßen weggezogen wird, wird sich Gott, dennoch durch all den Schmerz und das Leid hindurch, zu euch  bekennen. Im Bild gesprochen: An den Ufern eures Lebens, erblüht neues Leben. Jesus spricht:  Meine Gnade reicht, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.




 
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