14 Predigt vom 10.01.2010 PDF Drucken E-Mail

Gottesdienst
Röm 12,1-2


„Die Frage nach dem Willen Gottes verfolgt Christen auf Schritt und Tritt. Doch wie können wir sicher sein, wirklich Gottes Willen zu erkennen und tun? Damit wir kein religiöses Roulette mit Regeln und meisterhaften Plänen schrieb Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom, Kapitel 2,1-2: 
Hier nun liebe Brüder, kann ich nicht anders, als euch im Blick auf Gottes Erbarmen mit uns zuzurufen: Liefert euch Gott bedingungslos aus! Schenkt euch ihm mit eurem ganzen Seine und Wollen, wie ein ihm im Gottesdienst dargebrachtes, wohlgefälliges Opfer! Wenn ihr darüber nachdenkt, was Gott alles für euch getan hat, - verlange ich da zu viel von euch?
Vor allem: Nehmt nicht die Sitten und Unsitten dieser Weltzeit an! Werdet dagegen neue, also andere Menschen, die in all ihrem Denken und Tun unabhängig bleiben! Fragt nur nach einem: Was ist Gottes Wille?  (Übersetzung aus F.Riedenour, Christsein ohne Opium, Aussaat 1977, S.99)

Es ist leicht zu verstehen, dass Gott uns zu einem christlichen Charakter, einer christlichen Prägung verhelfen will. Schwieriger zu erkennen ist dagegen, was wir in dieser oder jener Situation nach Gottes Willen tun sollen. Weshalb? Weil wir wie alle anderen Menschen auch im Sog der gesellschaftlichen Strömungen stehen. Es kostet keine Kraft sich von einer Strömung treiben zu lassen, aber gegen sie anzukämpfen. Zwei Strömungen scheinen das Selbstverständnis unserer Gesellschaft zu formen, nämlich: Leistung und Genuss.


Daraus sind zwei grundsätzliche Lebenseinstellungen  gewachsen. Die einen meinen: Ich bin was ich leiste! Die anderen: Ich konsumiere, also bin ich wer. Dann gibt nur jeweils nur eine Sünde: Einmal nicht zu verbrauchen, nicht zu genießen, nicht bequemer leben zu wollen… und andererseits: Untätig zu sein und nichts zu leisten. Als Gemeinden können wir auch in diese Strömungen geraten. Mitarbeiter fühlen sich dann wie Hamster im Rad. Hat man eine Aufgabe übernommen, gibt es kaum ein Rauskommen.
Oder die andere Strömung greift. Man stellt sich darauf ein, dass man nichts von Mitarbeitern erwarten kann. Schließlich ist alles freiwillig. Hat nicht jeder das zuerst das Recht hat, für seine eigene Bequemlichkeit zu leben.

Beide Male geht Grundlegendes falsch. Darum zeigt Paulus erneut den auf, was für Christen grundlegend ist: Bevor Gott unseren Dienst möchte, will er sicher sein, das er uns wirklich besitzt. Paulus nennt das Kind beim Namen: Wir müssen unseren Leib, unseren Körper als lebendiges Opfer geben. Was machen wir mit unserem Leben? Was machst Du mit Deinem Leben? Es ist nicht allzu schwer, in der Kirche zu sitzen und Gott Geist und Seele zu versprechen, aber unsere Körper? Da wird es doch mit einem Mal sehr konkret.

Ahnen wir, dass das unbequem werden könnte? Es könnte unsere bisherige Lebensweise infrage stellen und Veränderungen fordern. Umso interessanter ist die Begründung, die Paulus dafür gibt, Gott seinen Körper zu überlassen.
Wörtlich schreibt er: Aufgrund der Barmherzigkeits-taten Gottes. Mit anderen Worten: Weil Gott nicht nur unsere Seelen erlöst, sondern uns als ganzen Menschen rettet.
Wenn Du so ernst mit Christus machst, dass Du ihm auch Deinen Körper übergibst, d.h., was Du mit Deinen Händen, Augen, Ohren, mit deinem Mund usw. tust, - dann bist Du bereit, Gottes Willen zu erkennen und zu tun.

Ist das zu viel verlangt? Es schließt doch allen blinden Aktivismus aus. Es geht vielmehr darum, aus dem Hören heraus zu leben. Aber wo bleibt denn da die Freiheit. Werden wir nicht entmündigt, wenn es darum geht, Gott zu gehorchen?
Paulus scheint zu sagen: Bevor Du protestierst, lass uns doch mal darüber nachdenken, was Christus für Dich und mich getan hat.

Wer auf dem Leistungs- und/oder Genusstrip ist, blendet doch weg, was Gott uns in Christus geschenkt hat. Das ist doch der Grund dafür, dass die Freude auf der Strecke bleibt. Aber was Gott uns in Jesus schenkt, das ist doch das Kapital, mit dem wir arbeiten können,- besser gesagt, was wir verwirtschaften sollen. Also: Lass Dir zuerst die Barmherzigkeit Gottes gefallen. Ergreif die Vergebung. Nutze die offene Tür zur Gemeinschaft Gottes. Wir dürfen zu Gott kommen, nicht weil so tolle Hechte sind, sondern weil Gott barmherzig ist, dürfen wir mit ihm Gemeinschaft haben. Diese Barmherzigkeit gilt allen Menschen. Wenn wir das erkennen und beherzigen, wird es unseren Charakter und unser Leben formen.

Und wir können Gottes Absicht mit uns nicht erfüllen, wenn wir unseren Körper nicht Gott  geben. Die Taufe markiert doch genau dieses Geschehen: Ich gehöre nicht mehr mir selbst, sondern Christus. Nun regiert nicht mehr mein dickes Ich, sondern Christus in mir.

Diese grundlegende Entscheidung gilt es täglich zu beherzigen. Um es an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen: Was nutzt ein Trauschein ohne Ehe? Die Ehe muss doch mit Miteinander, mit Leben gefüllt werden. So gibt es auch in der Nachfolge keine Trennung von Leib und Seele. Wer Jesus nicht seinen Körper gibt, der gibt ihm im Grunde genommen nichts.

Jesus will unsere Hände und Füße, unsere Intelligenz, unsere Fähigkeit zur Leidenschaft…
Überlass Dich ihm zur freien Verfügung. Sei keine zweckgebundenen Spende, nach dem Motto: Gott, du bekommst meine Zeit und Geld, wenn ich die erste Geige spiele. Das führt unweigerlich zum Frust.  

Froh werden wir erst, wenn wir einüben, Jesus unser Leben bewusst jeden Tag zu übergeben. Bete ihn als Herrn und Heiland an, stell Dich ihm für seine Vorhaben mit uns zur Verfügung. So kann er Dich durch seinen Heiligen Geist führen und auf die Gelegenheiten vorbereiten, in denen Du zum Kanal seiner Liebe wirst.

Als Menschen sind wir nie unabhängig. Abhängigkeit lässt sich nicht immer an unserem Tun ablesen. Unser Tun kann mehrdeutig sein. Aber wovon wir abhängig sind zeigt sich in unseren Motiven.  
J. P. Morgan drückte es so aus: „Der Mensch hat immer zwei Gründe, etwas zu tun, einen „guten“ und einen wahren Grund.“ Wem wollen wir gefallen? Uns selbst, unserer Gruppe, der Menge? Oder Gott?

Die Frage ist also, von wem oder was wir abhängig sind? Wenn wir uns vom den gesellschaftlichen Strömungen mitreißen lassen, werden wir in das System der Welt gepresst und zu Kopien.

Darum: Verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes. Lass Gott Deine einzigartige Persönlichkeit entfalten, die er in Dich hineingelegt hat. Das ist vernünftig und sachgemäß. Die Hingabe unseres Lebens an Gott entspricht der Barmherzigkeit Gottes, wie das sich Bedanken dem Beschenkt werden.

Wir werden auch nicht ärmer, wenn wir unser Leben für Gott hingeben, auch wenn nicht mehr Geld dabei herausspringt.
Das soll vernünftig sein? Manch einer schüttelt nur den Kopf, wenn z.B. Christen auf Karriere verzichten, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, indem sie ein „Dritte Welt Land“  gehen, um dort Entwicklungshilfe zu leisten. Das entspricht nicht der Logik dieser Welt, aber der Logik Gottes.  Es entspricht Gottes Tun in Christus.

Wie können wir uns darin üben, unsere Denk- und Sinnesweise erneuern? Es fängt damit an, darauf zu achten, was unser Denken und Fühlen prägt. Wem oder was geben wir Raum?

F.B. Meyer erlebte auf einer Seereise mit, wie der Kapitän trotz Sturm, die enge Einfahrt in den Hafen sicher nahm. Meyer wandte sich an den Kapitän: „Bitte, wie wissen Sie, wann Sie in den Hafen einschwenken müssen?“ „Das ist eine Kunst für sich“, sagte der Kapitän. „Sehen sie die drei Lichter am Ufer? Wenn sich alle auf einer Linie befinden, fahre ich hinein“  

Das hat Alan Redpath geistlich umgesetzt: Gott hat uns drei Navigationslichter gesetzt, an denen wir seinen Willen erkennen können:
1: Die Bibel,
2. das Zeugnis des Heiligen Geistes und
3. die äußeren Gegebenheiten.
Wenn alle drei sich auf einer Linie befinden, dann ist der rechte Zeitpunkt gekommen, zu handeln.

Die Bibel ist die grundlegende Quelle, um den Willen Gottes zu erkennen. Wie können wir behaupten Gottes Willen zu suchen, wenn wir uns nicht um sein Wort kümmern?
Die Bibel will nicht als „Antwortbuch“ gelesen werden, sondern damit wir mit Gott im Gespräch sind. Wenn wir ihn reden lassen, eine hörende Haltung einnehmen, knüpft der Heilige Geist an und weist uns die Richtung. Jetzt gilt es noch die Umstände zu beachten, welche Türen Gott verschließt oder öffnet.

Bleibt die Frage: Willst Du leistungs- und/ oder genussorientiert leben oder Christus gemäß?

Bei der Predigt schöpfte ich besonders aus zwei Auslegungen: Fred Ridenour, Christsein ohne Opium; Ein Brief, Aussaat, Wuppertal 1977, S. 98 – 106
Ulrich Parzany, Die Kirche am Markt, Wovon wir leben können; 14. Mai 1972



































































































































































































 
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