|
11 Predigt zur Weihnacht 2009 |
|
|
|
Weihnachten 2009 Titus 3,4-7:
Als aber die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet - nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens - durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.
Wenn Menschen aus Todesgefahr gerettet werden, rühren mich die Bilder der Rettung an. Wie dramatisch gestaltet sich der Wettlauf gegen die Zeit, um z.B. verschüttete Bergleute und Erdbebenopfer zu bergen. Oft stellen sich neue Schwierigkeiten in den Weg. Oder: Was für ein Nervenspiel ist es, wenn Kidnapper unberechenbar sind und mit der Ermordung der Geiseln drohen!
Manchmal sind Menschen sich nicht bewusst, in welcher Gefahr sie schweben: Da läuft eine breit angelegte Aktion, um die Anwohner einer Stadt vor Ankunft eines Hurricans zu evakuieren und Leute entscheiden: Wir bleiben hier. Sie schlagen die Warnungen aus Angst, ihr Hab und Gut an Plünderer zu verlieren, in den Wind. Manch einer hat dadurch schon mehr verloren, - sein Leben. Solche Erfahrungen sind die Hintergrundfolie für das Weihnachtsgeschehen. Paulus umreißt sehr knapp, weshalb, wodurch und wozu Gott an Weihnachten seine Rettungsaktion startete und noch im Einsatz ist.
1) Weshalb? Es geht um unser Dilemma und sein Erbarmen Wie viele Menschen befinden sich noch in Gefahr vom Leben aus und in Gott abgeschnitten zu bleiben! Paulus schreibt an Menschen die aus dieser Lage gerettet wurden. Sie sollen nicht vergessen, was mit ihnen war und für sie unternommen wurde, um sie in die Gemeinschaft mit Gott zu bringen.
Weshalb ruft er das ihnen und uns ins Gedächtnis? Es gibt nicht nur das Dilemma der Verlorenheit, sondern auch christlicher Überheblichkeit: Man rümpft die Nase über Menschen, die anders leben, klagt, wie schlecht die Welt ist, zieht sich ins fromme Ghetto zurück, nicht ohne Stolz anders zu sein. – „Leute, wenn das so läuft, läuft was falsch“, scheint Paulus sagen zu wollen: „Wir waren früher genauso unverständig und ungehorsam, gingen in die Irre, waren Sklaven aller möglichen Begierden und Leidenschaften, lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten einander“-, schrieb Paulus unmittelbar zuvor. Er unterstreicht damit: Wir waren doch nicht anders und haben allen Grund dankbar zu werden.
Vielleicht möchte der eine oder andere einwenden: Paulus, was unterstellst Du uns da? Doch Paulus will uns nichts unterstellen, sondern fordert die Mitchristen heraus, sich dem zu stellen, wie wir leben und lebten. Woran liegt es denn, wenn ein Leben von Anfang an in einer christlichen Familie und Gemeinde in geordneten Bahnen verläuft? Es liegt doch daran, dass schon ein anderer Maßstab, nämlich das wegweisende Wort am Werk war.
Aber neigen wir nicht genauso dazu, unsere Wege selbst wählen zu wollen? Meinen wir nicht oft genug, selbst am besten zu wissen, was für uns gut ist? Wie viel Streit gibt es in Familien, weil Kinder, wie Eltern es besser wissen wollen als der andere.
Der Konflikt mit Gott ist nicht so spürbar. Die wenigsten sind so eng mit ihm verbunden, wie Kinder mit ihren Eltern. Gott widerspricht auch nicht so lautstark. Wo sein Wort nicht gelesen und gehört wird, geht diese Reibungsfläche verloren. Vielleicht spüren wir früher oder später: Mir fehlt etwas? Stück um Stück ging Gott als Gegenüber verloren. Das ist gefährlich, denn wir können unsere Lage nicht selbst einschätzen. Wir leben auf einem Terrain und in einem zeitlichen Kontext, die wir nicht überblicken. Die einen versuchen die Zukunft in den Griff zu bekommen, um sich abzusichern. Die andern beruhigen sich vielleicht selbst und nehmen mit, was sie vom Leben bekommen können.
2) Wodurch werden wir gerettet? Es geht um unsere Grenzen, seine Möglichkeiten
Paulus malt uns das Dilemma vor Augen: Wer von Gott abgeschnitten ist, ist verloren. Diese Verbindung können wir von uns aus nicht kitten, weil wir von uns aus gar nicht an ihn rankommen. Aber das ist die Weihnachtsbotschaft: Gott ist in Jesus Christus zur Welt gekommen, um an uns ranzukommen. Er hat sich ihm auf die Suche gemacht, um uns zu retten. Gott überlässt uns nicht uns selbst, sondern sucht immer wieder Wege und Möglichkeiten, uns Menschen in seine Gemeinschaft zu rufen.
Es scheint paradox, aber: Wer Gottes Herz erwärmende Liebe erfährt, kann vergessen, was Herzen kalt und lieblos werden lässt. Wie wir, so braucht jeder Mensch Gottes Erbarmen. Nicht aus uns heraus können wir die Gemeinschaft zu Gott herstellen. Es ist und bleibt Gottes Gnade.
Es ist nicht so, dass die Menschheit keine Ahnung von Gott hätte. Sie ahnt viel mehr, als sie glaubt. Das zeigt sich in Ausrufen wie: O, mein Gott. – obwohl man nicht mit ihm lebt. – oder in der Frage: Warum passiert das gerade mir, ich habe doch gar nichts Schlechtes getan? Das ist ungerecht. – Welche Instanz wird denn da angeklagt, wenn man Atheist ist?
Die Religionen kommen mir vor, wie Versicherungen gegen den großen Unbekannten. Die Bibel erklärt und zeigt, dass sie dem Ernstfall nicht standhalten. Die Erfahrung, dass Gott rettet, zeigt doch, dass diese Wege ins Leere laufen, weil wir gerade so vor Gott weglaufen, statt ihn an uns wirken zu lassen. Mit Jesus schenkt er uns einen neuen Start. Wer sich für ihn öffnet, dessen Leben wird erneuert.
Paulus spricht vom Bad der Wiedergeburt. Manche Ausleger setzen das Wort Bad mit der Taufe gleich. Das führt m.E. in eine falsche Richtung. Paulus erinnert nämlich an die atl. Propheten (Jer. 30,6 und Ez. 36,25-27). Es wird bildhaft erzählt, wie Gott den Schmutz der Vergangenheit, die Schuld abwäscht, und Herzen reinigt.
Wer Gott in Jesus in sein Leben aufnimmt und ihm die Führung übergibt, der startet neu durch. Paulus nennt es eine neue Geburt. Gott ermöglicht uns eine neue Existenz, nämlich als Kind Gottes. Wir dürfen Kind in seinem Haus sein, aus der Vergebung, die Jesus schenkt, in seiner Nähe und Liebe Vergebung leben. Niemand von uns ist aus eigenem Willen Kind seiner Eltern geworden. Muttertag und Vatertag erinnern uns daran: Sie haben uns das Leben geschenkt.
So ist auch die Gotteskindschaft ein Geschenk. Der neue Anfang wäre nicht möglich, wenn Gott ihn in Jesus nicht möglich gemacht hätte. Wir wären auf ewig dazu verdammt, ganz die alten zu sein. Wir blieben auf uns selbst zurückgeworfen. Die Spuren der Vergangenheit, Verletzungen und Schuld klebten an uns. Lebenshunger oder Verzweiflung blieben die Triebkraft des Lebens.
Doch Gott hat einen neuen Anfang ermöglicht, indem er in Jesus zu uns kam.
Wozu? Es geht um sein Leben, das unsere Zukunft ist-
Indem Gott uns in durch Jesus Christus in seine Gemeinschaft hineinnimmt, reißt er neue Horizonte auf. Wir sind angenommen, Gott ist angekommen. Das geschah nicht, damit alles beim Alten bleibt, sondern unser ganzes Leben neu, erneuert wird. Alles gilt es in Beziehung zu Gott zu setzen und bringen: Das Schöne und Großartige, wie das Kleinliche und Erbärmliche, Gelingen und Scheitern. Wir dürfen es in seine Hand geben. Seine Liebe verändert. Verliebten ist anzusehen, wie sie aufleben.
Weshalb? Weil sie im Alltag auf den geliebten Menschen fixiert sind. Wer so auf Gott fixiert ist, mit ihm leben, wird aber nicht entrückt, sondern erlebt, wie sein Leben zurecht gerückt wird. Denn wenn Gott in mein Leben tritt, dann öffnet er mir auch den Blick für die anderen Menschen. Sein Wort wird zum Maßstab und gibt Orientierung- Paulus spricht aber auch von Gottes Geist.
Wen Gott begeistert, der wird von seiner Liebe angesteckt. Die Mitmenschen werden wichtig. Gottes Menschenfreundlichkeit färbt ab: Freundlichkeit, Freigebigkeit, tätiges Erbarmen prägen dann zunehmend das Verhalten. Weshalb? Weil wir nicht mehr um uns selbst kreisen müssen. Gott sorgt doch für uns. Das gibt uns Zeit und Kraft für andere zu sorgen und sie mit Gottes Liebe bekannt zu machen.
Das ewige Leben ist kein Leben für sich, sondern Leben in Gemeinschaft, in Gottes Liebe, in Beziehung zu Menschen. Es ist Gottes Weihnachtsgeschenk in Christus für den Alltag wie den Sonntag, für Zeit und Ewigkeit. Lasst es nicht unterm Weihnachtsbaum liegen!
|
|
|