12 Predigt zur Jahreslosung PDF Drucken E-Mail

Joh 14,1: Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Wer kann schon für sich die Hand ins Feuer legen? Wer kann für sich garantieren? Wir können weder die Zukunft  übersehen, noch wissen wir, was kommt.

Als ich Student war,  fuhr der Hauskreis, zu dem ich gehörte, an die Ostsee. Wir wollten eine Woche segeln. Ich mag den Wind, die Wellen, das Meer und freute mich auf die Gemeinschaft und das Abenteuer. Weil ein Auto eine Panne hatte konnte ich erst mitten in der Nacht nach Dänemark übersetzen. Als wir ankamen blieben gerade mal zwei, drei Stunden Zeit zum Schlafen, bevor unser Schiff bei hohem Wellengang auslief. Der Wind war sehr stark, ideal zum Segeln. Doch beim Segel setzen spürte ich ein mir bisher unbekanntes Gefühl.  Erst ignorierte ich das Grummeln im Magen, doch dann war es nicht mehr zu ignorieren. Ich war vorher nie seekrank gewesen, hatte auch nicht damit gerechnet, dass es mich erwischen würde. Nun konnte ich mich nur noch in ein geschütztes Eck legen und in den Himmel starren. So kann es gehen!

Für mich ist das zum Bild für unser Leben geworden. Manchmal geht aus im Alltag sehr stürmisch zu. Gut, dass wir nicht wissen, was vor uns liegt. Dass man bisher gut mit kritischen Situationen umgehen konnte,  garantiert nicht, ebenso gut in der Zukunft durchzukommen.


Als Jesus seine Jünger seinen Kreuzweg wissen ließ, wusste er: Es wird sie bis ins Innerste erschüttern, wenn er gefangen genommen und zu Tode gefoltert wird.
Wie erschreckend wird es sein, wenn sie sich dabei selbst als Totalausfall erleben. Petrus, der bereit war für Jesus zu sterben, wird bei der Frage: Gehörtest Du nicht auch zu Jesus? himmelangst. Der „Fels in der Brandung“ lässt sich von den ersten bedrohlichen Wellen wie Sand wegschwemmen.  Der Rest wird sich verkriechen, will nichts hören, nichts sehen, nur in Ruhe gelassen werden, Sie werden geschockt sein: Einer von ihnen hat Jesus verraten, an den Galgen gebracht. Jesus wird sterben.
Jesus, der ihnen Sinn und Halt gab, wird weg sein. Worauf schauen, wenn nur Grauen ringsum ist? Das ist doch zutiefst erschreckend und verstörend. Was soll da die Aufforderung: Euer Herz erschrecke nicht! Lasst Euch nicht verwirren!?
Jesus will verhindern, dass die Jünger und wir in eine  Schreckstarre fallen. Wenn die Wellen in unserem Leben so hoch schlagen, dass die Orientierung immer schwerer wird, ist es dennoch möglich auf Kurs zu bleiben. Wie? Im Bild gesagt: Mit Kompass und Steuermann.

Jesus sagt es ohne Bild: Glaubt an Gott, glaubt an mich.
Woran orientieren wir uns in Krisen, wenn Menschen, um uns herum wegbrechen? Da steigen Hoffnungsträger aus, noch ehe sie richtig eingestiegen sind. Auch Jesus war über Judas betrübt, der wohl Jesus seinen Willen, sich als Herr zu offenbaren, aufzwingen wollte. 

Woran orientieren wir uns, wenn wir selbst so ausgelaugt sind, uns nicht mehr freuen können, scheitern?
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. Damit sagt Jesus: Macht Euer Vertrauen nicht an euch selbst, noch an anderen Menschen fest. Auch Vorbilder versagen.
Glaubt aber auch nicht dem Säbelrasseln und der Macht der Gewalt, dem Hohn und beißendem Spott,- dem was Euch um meines Namens willen einschüchtern will.
Jesus fordert  uns auf, gerade in einem solchen Gefühlschaos, wenn alles im Leben durcheinander geht, Gott zu vertrauen und ihm.

Glaubt an Gott! Das ist eine ungewöhnliche Formulierung. Jesus sprach doch sonst ganz anders von Gott, nämlich von seinem Vater. Weshalb spricht er hier so anders?
Weil er uns an den ganzen Reichtum der Erfahrungen erinnern will, die uns in der Bibel überliefert sind. Wir dürfen sie uns zu eigen machen, weil Gott nicht heute plötzlich ganz anders ist als gestern.
Wie die Kompassnadel nach Norden zeigt, so zeigt Gottes Wort immer wieder auf Gottes Treue:
Als das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten auszog, verfolgte der Pharao es mit seinem Heer. Vor ihnen lag das Meer, zu den Seiten gab es kein Entkommen und hinter ihnen stürmte das feindliche Heer heran.
Vertraut auf Gott! ruft Jesus uns zu. Erinnert Euch daran, wie Gott damals einen Weg schuf, wo noch kein Weg war. Oder: Denkt an Daniel. Er wurde um seines Glaubens willen zum Tod verurteilt und den Löwen vorgeworfen. Doch er wurde nicht gefressen, weil Gott ihn bewahrte. Und seine drei Freunde wurden in einen Feuerofen geworfen, weil sie sich weigerten, einen Menschen zu vergöttern.  Sie wussten nicht, ob Gott sie befreien würde.  Auch wenn sie, wie andere in den Flammen umgekommen wären, hätten sie damit über den Horizont dieses Lebens, auf Gott verwiesen.

Das sind keine Märchen.  Diese Geschichten sind nur insofern Dichtung, indem sie die Erfahrungen mit Gott verdichten. Hier wird kein Wort zu viel gesagt, sondern mit jedem Wort gesagt: Gott ist treu. Er ist und bleibt vertrauenswürdig.
Doch es nützt nichts, zu wissen, dass die Kompassnadel nach Norden zeigt, wenn wir uns nicht daran orientieren.
Es nützt nichts, zu wissen, Gott ist treu, wenn wir uns ihm nicht auch in den kritischen Situationen anvertrauen, sondern das Ruder in die eigene Hand nehmen.
Glaubt an mich! Das sagt Jesus am Vorabend des Karfreitags.

Die Jünger und wir sollen nicht meinen, sie und wir wären in solchen Augenblicken, in solchen Stunden, Tagen, Wochen, in denen der Boden unter den Füßen weicht, von Jesus im Stich gelassen.
Es ist nicht so, dass die Stunden oder auch längere Zeiträume, in denen unsere Herzen ganz verstört sind, wir nur Fragen, aber keine Antworten haben, nicht auch und erst recht Gottes Stunden wären.  Wir haben guten Grund, unser Vertrauen nicht wegzuwerfen, sondern auf Jesus zu werfen.
Seine Sendung ging durch Leiden und Sterben hindurch. Gerade so hat er Vergebung und das neue Leben hervorgebracht.

Jesus wischt die Verwirrung und das Erschrecken seiner Jünger nicht vom Tisch. Er ist ja selbst davon getroffen worden und versteht, was in uns ihnen und uns vorgeht.
„In der Welt habt ihr Angst!“ Davor sollen auch wir nicht die Augen verschließen, aber in den Blick bekommen, was Jesus getan hat: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Denn dazu ist Jesus gekommen, um uns und unser Leben in der Liebe Gottes zu bergen. Um uns dieses Zuhause zu erschließen, ging Jesus den Weg ans Kreuz.  Sein Weggang war nicht sinnlos. Wie ein Paar während der neunmonatigen Schwangerschaft damit beginnt, die Wohnung für das Kind herzurichten, so ging Jesus zum Vater, um uns Wohnung, Heimat bei Gott zu schaffen. 

Jesus ging zu seinem Vater, um seine Herrschaft anzutreten. Jetzt sitzt er zur Rechten des Vaters- d.h.: Er ist der Herr.
Was bedeutet das für uns?
Im Vertrauen auf ihn, wird unser Lebensweg zum Heimweg, egal, ob er beschwerlich oder leicht ist.
Jesus ist da. Es gibt keine Untiefen, die er nicht umfassen könnte, keinen Ort, wohin sein Arm nicht reichen würde, keine Hölle, aus der er nicht zu retten vermag. Sein Arm ist nicht zu kurz zu helfen. Er ist der Steuermann, der die ganzen Untiefen des Lebens kennt und bei seinem Vater für uns eintritt.

So hat er seine gebeutelten Jünger nach seiner Auferstehung eingesammelt und durch seine Vergebung neu aufgerichtet. Er gab ihnen Vollmacht in alle Welt zu gehen, seine Herrschaft zu bezeugen und in seinem Namen zu handeln.
Glaubt an Gott und glaubt an mich!- sagt Jesus.
Das gilt auch uns. Er wird uns in Krisen halten. Wenn wir uns an ihn halten, was soll uns da noch aufhalten? Etwa eine erschreckende Vergangenheit? Dafür ist doch Jesus aufgekommen. So wurde Petrus doch noch zum Fels für die Kirche. 

Wenn wir uns an ihn halten, was soll uns da noch aufhalten? Etwa, die Furcht Liebgewordenes los zu lassen, wenn die Baufrage im Raum steht und Zahlen, bei denen man sich fragt, wer das bezahlen soll.  
Wenn wir uns an Jesus halten, was soll uns da noch aufhalten? Etwa die fehlende Unterstützung oder sogar Anfeindung, wenn wir Menschen vermitteln wollen, dass sie Gott wertvoll sind?
Wenn wir uns an Jesus halten, was soll uns da noch aufhalten? Die Furcht, wen man sich ins Haus holt, wenn man die Türen der Gemeinde weit aufmacht?
Jesus sagt: Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott, glaubt an mich.

Wer sich an ihn hält, findet auch im neuen Jahr Halt. Und Jesus will noch mehr Menschen an seine Hand nehmen. Er hält seine Gegenwart als Zukunft für noch mehr Menschen bereit, als wir uns vorstellen können.
Gott ist und bleibt der Herr, auch 2010.  Lassen wir es uns an jedem Tag des neuen Jahres von Jesus sagen: Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott, glaubt an mich.




 
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