07 Predigt vom 04.10.2009 Erntedankfest PDF Drucken E-Mail
Dir zur Freude       
Erntedank 2009

In diesem Jahr steht das Erntedankfest im Zeichen der Not. Angesichts der Bilder und Berichte von den verheerenden Folgen der Unwetter auf Sizilien und in Samoa ist Dir vielleicht nicht nach Danken zumute. Vielleicht wird der Dank auch von Sorgen erstickt,  die im Gefolge der Wirtschaftskrise wuchern.

Aber weil Danken und Denken zusammengehören sind wird herausgefordert unseren Dank und die Not in Beziehung zu setzen. Auch wenn die Konjunktur brummen würde und es keine Katastrophen gäbe, bliebe diese Herausforderung. Man kann nämlich rundum versorgt und abgesichert sein und doch ein trostloses Leben fristen. Wir leben nicht vom „Brot“ allein, sondern fragen nach Sinn und Ziel unseres Daseins.

Eine Lehrerin, die täglich mit den Folgen ihres Schlaganfalls kämpft, sagte mir sinngemäß: Durch den Schlaganfall  sehe ich das Leben mit anderen Augen: Sich freuen können und Freude machen, macht das Leben aus. Damit ist sie ganz dicht an dem dran, was Paulus in 2. Kor. 1,24b schreibt:
Wir sind Mitarbeiter an eurer Freude; denn ihr steht fest durch den Glauben
Dieser fast zweitausend Jahre alte Satz hat eine Vorgeschichte:  Der Apostel Paulus sah in einem Traum einen Europäer, der rief: „Komm herüber und hilf uns!“ Paulus und seine Begleiter erkannten darin Gottes Wink. Ab nach Europa. Wir sollen mit ihnen die Freude teilen, die Gott uns geschenkt hat. Sie ist stärker als alle Not. Sie bleibt.

1.    Erntedank beginnt mit dem Staunen: Ich darf ernten, wo ich nicht gesät habe.
Es ist die Freude darüber, dass Gott uns nahe kommt und zeigt, dass er der Herr ist.
Die Welt zur Zeit des Apostel Paulus war nicht weniger zerrissen als heute. Die Römer hatten die Macht, die Griechen die Bildung. Die Provinzen wurden wirtschaftlich ausgepresst. Sklavenarbeit war Gang und Gäbe.  Jeder war normal, bis man ihn kennenlernte.  Die Not hatte ebenfalls viele Gesichter. Doch egal, welche Not, Gott begegnet ihr in Jesus, dem Christus.
Gott kam in Jesus in unsere kaputte Welt, um für unser Leben aufzukommen und es heil zu machen. Das ist die eigentliche Bescherung an Weihnachten, an die wir heute am Erntedankfest erinnert werden. Ein Engel posaunte es raus: Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk gilt: Denn euch ist heute der Heiland geboren, der Christus, der Herr!“
Gott steigt in Elend und Dunkel ein, darum wird es nicht elend und dunkel bleiben. Gott ist da, für Dich da! In der Gemeinschaft mit ihm findest Du Freude, selbst  im Leid.
Wir können uns nicht grundlos freuen und müssen es auch nicht: Wir haben allen Grund uns über die bedingungslose Liebe und die Vergebung, die Gott in Jesus schenkt, zu freuen. Wir haben Grund uns über seine Kraft zu freuen, die er uns gibt.
Im Vertrauen zu ihm überwinden wir, was unser Leben kaputt machen will. Gott ist stärker. Was für eine Freude, wenn Jesus kaputte Leben heilt. Jesus überzeugt uns von den Liebesabsichten Gottes. Das gibt Geborgenheit.  Und die Liebe Gottes drängt  uns, ihm bei der Arbeit zu helfen.
2.    Erntedank spiegelt sich in der Mitarbeit an der  Freude wider

Wenn die Beziehung zu Gott erneuert ist, werden auch die Beziehungen zu unseren Mitmenschen und uns selbst neu. Jesus hat seinen Jüngern gesagt: Ihr werdet meine Zeugen sein. Das ist kein Spezialauftrag für einige wenige, sondern der Auftrag an alle, die Jesus folgen. Wir werden Mitarbeiter an der Freude, die er stiftet. Es beginnt damit, dass wir die Bedürftigkeit und Chancen des anderen Menschen sehen.
Zum Sehen kommt das Hören auf Gottes Impulse. Wem kann ich der Nächste sein? Wem kann ich die Liebe, die Gott für ihn bereit hält, mitteilen?
Zum Hören kommt das Danken: Danke für die Möglichkeit des neuen Anfangs, der Vergebung, des Auswegs, die Gott für diesen Menschen bereit hält. Danke dafür, dass Gott Dich einbeziehen will.
Jesus könnte auch ohne uns, aber er will nicht ohne uns. In der Regel stellt er uns Mitchristen zur Seite. In der Mitarbeit wird unser Erntedank konkret und Freude erlebt:
3.    Wer an Gottes Tun beteiligt ist, wird selbst froh.
Manch einer scheut die Arbeit und Mühe. Vielleicht, weil er meint er sei dann Gottes Angestellter? Wir sind aber nicht bei ihm angestellt, sondern, wenn wir Jesus unser Leben anvertraut haben, seine neugeborenen Kinder. Das Leben beginnt neu.
Wie ist es denn bei Kleinkindern? Ich staune, wie sie die Zuwendung der Eltern umsetzen. Tag für Tag drängt es sie mehr, die Welt mehr zu erobern. Sie  gehen auf die Eltern ein und machen ihnen nach, was sie sehen.
Die Freude geht verloren, wo die Mitarbeit gescheut wird. Warum? Der Glaube wird langweilig. Man erlebt ja nichts. In der Gemeinde beginnt man dann, sich um sich selbst zu drehen. Die Gruppen zerfallen.
Aber auch da, wenn wir selbst loslegen ohne auf Gottes Impulse zu achten, laufen wir früher oder später leer.
Die Freude erwächst aus der Gemeinschaft mit Jesus. Sie ist ja auch, was andere Menschen lockt: Da ist etwas, was ich nicht habe. Da ist eine Freude, die ich nicht kenne. Da ist eine Liebe nach der ich mich sehne.
Jetzt gilt es Erntedank zu feiern: Wir teilen, was wir empfangen haben, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.

 
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