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08 Predigt vom 12.10.2009 |
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Der Blick nach oben
Manchmal ist der Blick in die Vergangenheit eine Last, nicht nur wenn viel schief gelaufen ist. Auch der Rückblick auf goldene Zeiten kann entmutigen, wenn man spürt: Da reichen wir nicht dran, bzw.: Da können wir nicht mithalten. Manchmal lähmt auch der Blick nach vorn: Das Loch in der Bevölkerungsentwicklung wird das Loch in der Rentenversorgung nach sich ziehen, das Loch in der Atmosphäre wohl erst ein Loch in die Kassen der Versicherer, dann der Kunden reißen, weil die Ausmaße der Katastrophen wachsen. Viele dürften das Gefühl der Ohnmacht kennen, dass uns bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Ehekrise, Stress… befallen kann.
Spätestens, wenn es soweit gekommen ist, fragt man sich: Wohin noch blicken? In Psalm 103 lädt David ein, nach oben, auf Gott, zu schauen. Wenn wir auf ihn blicken, sehen wir auch unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in neuem Licht. Ich lese aus Psalm 103, die Sätze 1- 6: 1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: 3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, 4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, 5 der deinen Mund fröhlich macht, und du wieder jung wirst wie ein Adler. 6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden. (Luther 84)
David fordert sich selbst auf, Gott zu loben. Wörtlich übersetzt heißt es: Segne Gott. D.h.: Rede öffentlich Gutes von Gott und erkenne seinen Anspruch, Gott zu sein, an. Darum richtet David seinen Blick auf Gott, um ihn anzuschauen. Gott loben ist nämlich nicht unsere Naturbegabung. Wie oft bleibt der Blick an den Dingen und Erlebnissen kleben, die verunsichern und ärgern. So verstummt das Lob. David fordert sich darum bewusst selbst auf: „Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen“.
1) Wer Gott gleichsam in die Augen schaut entdeckt Gottes Wesen und lernt: Staunen, Vertrauen, Hoffen und Lieben.
Es ist doch zum Staunen, wie Gott mit seinem Rebell, dem Menschen umgeht. Gott gegenüber gleichen wir meist Teenagern, die es besser als ihre Eltern wissen wollen. Sie stellen ihre Autorität infrage, weil sie eigenständig sein wollen. Einen Kaktus zu umarmen bleibt nicht spurlos. Gott lässt aber nicht von seinen widerspenstigen Geschöpfen ab. Weshalb bleibt er dran? Weshalb gibt er nicht auf und uns für sich verloren? Weil Du und ich, weil wir von Gott geliebt sind, trotz aller Stachel, die wir ihm entgegenstrecken. In seiner Liebe ist Gott bis zum Äußersten gegangen. Gott ist in Jesus, dem Christus, Mensch geworden, damit wir wieder Menschen Gottes werden. Er hat sich in Jesus auf seine Liebe zu uns Menschen am Kreuz festnageln lassen.
Das schafft doch Vertrauen: Wer so liebt meint es wirklich gut. Wer uns so treu ist, ist vertrauenswürdig, auch wenn er sich hinter Schicksalsschlägen verbirgt.
David beginnt bewusst nicht: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, sondern: Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Es kann nämlich passieren, dass uns das Gute, was Gott schenkt, wichtiger wird als er. Dann ist es nur noch ein Schritt, Gott wie einen Angestellten zu behandeln. Man kündigt ihm, wenn man mit seiner Arbeit nicht zufrieden ist oder keinen Bedarf für ihn hat.
Doch Gott ist auch, wenn er verborgen ist, treu! Wir werden die offenen Fragen aushalten, weil seine Liebe uns hält. In Jesus hat er seine Hand nach uns ausgestreckt.
Das lässt Hoffen: Gott ist kein ferner Gott. Er ist mitten drin in meinem Alltag. Ich darf alles, was geschieht, ja alles was in mir ist, vor ihn bringen. Als der Mensch, wie er leibt und lebt, darfst Du vor Gott sein.
Was ist denn in Dir, in mir? Was lebt nicht alles in uns an Phantasie, Aggression, Bedürftigkeit, Sehnsucht, Sorgen, Leidenschaften, Gedanken, Absichten… Dazu kommen die Nerven… All das, was in uns ist, jeder Winkel unseres Ichs, darf und soll sich vor Gott sammeln. „Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen“: Lass ihn Herr sein, gib ihm Raum. Bring doch alles was in Dir ist in Beziehung zu ihm. So kommt es zur Erfahrung seiner Liebe.
Wir lernen seine Liebe kennen und zu lieben: Es ist Gottes vergebende und heilende Liebe an der sich unsere Liebe entzündet. Aus der Liebe zu ihm, wächst auch die Liebe zum Mitmenschen, denn Gott liebt ihn nicht weniger, als uns. Diese Liebe haben wir nötig, auch in der Gemeinde. Sie ist kein anfechtungsfreier Raum, keine Insel der Seligen. Wir begegnen genauso Schwäche, Fehlern, Irrtümern, menschlicher Ohnmacht und Sünde. Für manchen ist das Grund genug, die Gemeinde madig zu machen oder schwarz zu sehen. Für Jesus war es der Grund sich ganz hinzugeben, um uns rein zu machen. „Weil Du kostbar und wertvoll bist in meinen Augen“, - damit ist auch der andere gemeint, der mir Mühe macht. Nehmen wir einander an, wie Christus uns angenommen hat. Gott ist ja nicht bloß mein Herr und Gott, sondern der Herr und Gott. Damit bin ich beim 2.
2) Wer sich Gottes Taten in Erinnerung ruft, wird dankbar, froh, mutig und tätig:
Wir werden dankbar: Wie schnell verblasst das Gute, das Gott getan hat, in unserer Erinnerung. Wenn wir es vergessen verarmt und verkümmert unser Leben. Zuversicht und Freude gehen verloren. Bitterkeit dagegen ist ein erstaunlich starkes Konservierungsmittel. Doch wir haben Grund genug dankbar zu sein: Wer bin ich, dass Gott persönlich an mich denkt! Was für ein Geschenk ist es doch, dass Gott Dich persönlich kennt, und bei Deinem Namen ruft, die Schuld vergibt, die Verwundungen heilt und in die Nachfolge ruft.
Wer sich Gottes Taten in Erinnerung ruft, wird froh: Nichts bleibt an Restschulden zurück. Gott schenkt einen wirklich neuen Anfang. In der Beziehung mit ihm gesunden wir. David spricht ganz umfassend: Gott vergibt alle meine Sünden. Alle unsere Gebrechen werden geheilt. Melden sich da nicht Zweifel?
Wenn wir auf Christus sehen, weichen diese Zweifel. Denn er ist nicht nur für ein paar Sünden gestorben, sondern für die Sünde, die Trennung von Gott. Der Sohn Gottes hat die Trennung vom Vater für uns erlebt, damit wir in Ewigkeit nicht von ihm getrennt sein müssen. Seine Auferstehung verbürgt: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid. Er macht alles neu. (Offb. 21).
An seiner Seite zu leben, macht mutig: Du und ich dürfen den Mann vom Kreuz im Kreuz haben. Er ist der, der uns das Kreuz stärkt, Rückgrat gibt. Wie Gott in der Vergangenheit seine Liebe erwiesen hat ist Verheißung, dass er in Gegenwart und Zukunft nicht weniger Großes tun will. Im Vertrauen und Hören auf ihn, leben und handeln wir: Wir sind keine Marionetten, sondern Menschen, die seine Absicht kennen und die Freiheit haben, im Vertrauen auf ihn verschiedene Wege einzuschlagen.
Wer sich Gottes Taten in Erinnerung ruft, wird tätig werden: Wie gesagt, oft sind mehrere Wege möglich. Wir können nicht absehen, welcher besser oder schlechter ist, weil wir die Zukunft nicht kennen. Entscheidend ist, seinen Weg im Hören und im Vertrauen auf Gott zu gehen. Wer das tut, lernt im persönlichen Leben, den Impulsen, die Gott gibt, nachzugehen. Nur Mut! Fehler machen ist erlaubt. Doch so sind wir dabei, wenn Gott handelt. Er tritt für die Wahrheit und Gerechtigkeit ein und ruft Menschen in die seine Liebe. Seine Frage an Dich ist: Bist Du dabei?
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