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02 Predigt vom 26.04.2009 |
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Johannes 20,18-25
Wenn Angst den Glauben einengt…
Die Angst geht um: Nachdem die Bankenkrise zum Konjunktureinbruch geführt hat, flüstert sie ins Ohr: „Ist Dein Arbeitsplatz noch sicher?“ Umweltkatastrophen, Epidemien und Terror lassen das Echo erklingen „…noch sicher?“ Ebenso ist die Angst zur Stelle, wenn Krankheit im persönlichen Umfeld zuschlägt und uns mit dem Sterben konfrontiert: „Bist Du der Nächste? Tickt womöglich auch eine Zeitbombe in Dir?“ Wenn Paare, die glücklich schienen, auseinander gehen, klopft wieder die Angst an: „Wird Deine Beziehung den Herausforderungen standhalten?“
Angst gehört auch zum Leben dazu. Ja, sie ist, wenn sie sich nicht zur Angststörung wuchert, sogar lebenswichtig, wenn auch unangenehm. Sie versetzt uns in Alarmbereitschaft: Angst erhöht die Aufmerksamkeit. Die Pupillen weiten sich. Wir sehen und hören schärfer. Die Muskelspannung steigt. Die Reaktionsgeschwindigkeit steigert sich. Unser Puls und unsere Atmung werden schneller. Die Angst schlägt Alarm: Es kann sein, dass Du kämpfen oder fliehen musst! Jeder von uns reagiert, anders, je nach Typ und steht vor der Aufgabe, sich seiner Angst zu stellen?
Gibt es auch Ängste, die typisch sind für Christen? „Himmelangst“ kann Christen eigentlich nicht mehr sein, weil Jesus den Zugang zu Gott erschlossen hat. Die „Heidenangst“ ist auch Vergangenheit, weil Christen Gott kennen, lieben und achten. Dennoch werden wir von allen möglichen Ängsten gepackt. Jesus sagte seinen Schülern: „In der Welt habt Ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Die Ängste waren auch nicht nach der Auferstehung von Jesus einfach weg, obwohl Gott Jesus als Herrn der Lage erwiesen hatte. Der Tod ist entmachtet und die Liebe stärker als die Schuld, die trennt. Die Jünger hatten diese Nachricht von Maria Magdalena gehört. Doch statt zu feiern, schlossen sie sich ein, aus Furcht vor den Juden, sprich anderen Menschen.
Menschenfurcht, die Angst vor den Reaktionen, wenn man sich zu Jesus bekennt, ist eine typische Angst, die Christen befällt. Sehen wir uns das heute einmal genauer an. Damals hatten die Schüler von Jesus erlebt, wie Jesus gefoltert und ans Kreuz geschlagen wurde. Sie mussten befürchten, dass es ihnen genauso ergehen konnte, wie ihrem Herrn. Fast 2000 Jahre später, sind die Kirchen in unserer Gesellschaft ein wesentlicher Faktor. In Ostdeutschland haben sie 40 Jahre Sozialismus überlebt, obwohl als „ewig Gestrige“ abgetan und bekämpft wurden. Allein wenn dieser Kirchenraum erzählen könnte, wir würden manche Geschichte hören, von Mut und Treue, aber auch von Angst und Rückzug hinter Kirchenmauern.
Die Furcht vor den Menschen, die Furcht vor Anfeindung, ist auch eine begründete Furcht. Jesus selbst hat seinen Leuten sinngemäß gesagt: Wer sich zu mir bekennt, wird mit Spott, Benachteiligung und Ablehnung rechnen müssen. Weshalb? Weil Menschen den Anspruch auf ihr Leben, den Gott in Jesus stellt, nicht wahrhaben wollen. Wenn der christlicher Glaube stimmt,- es Gott gibt, Jesus von den Toten auferstanden ist, dann kann die Welt nicht so bleiben wie sie ist, auch sie und wir nicht. Die Apostel damals waren Menschen wie Du und ich. Sie waren keine Masochisten. Sie scheuten den Konflikt, schlossen sich ein und blieben lieber für sich. Heute wird häufig gesagt: „Meine Gottesbeziehung geht keinen anderen was an. Mein Glaube ist doch meine Privatsache.“ Damit sind die Türen wieder verschlossen.
Selbst wenn die Kirchentüren offen stehen, sind nicht automatisch Gemeinden offen. Sind Gäste willkommen, oder möchte man unter sich bleiben? Wenn sie stören, weil sie anders sind, fallen die Türen wieder ins Schloss. Doch ich will nicht die Angst auf den Sockel heben, sondern auf den Weg aus der Angst einladen, den Jesus uns weist. Maria hat diesen Weg beschritten. Die Begegnung mit Jesus wurde für sie zum Weg. Als sie die Nähe, die Gemeinschaft des Auferstandenen erlebte, wurde sie getrost: Er ist der Herr. Er hat die Welt, mit allem, was uns ängstigt, überwunden. Ich bin nicht allein. Er ist da.
Jesus hat sie mit dieser Erfahrung und Nachricht zu den Jüngern gesandt. Diese haben wieder Thomas von der Begegnung mit Jesus erzählt. Sie alle wurden schließlich in alle Welt gesandt. weil Gott dem auferstandenen Christus alle Macht im Himmel und auf Erden übergegeben hat. Interessanterweise erwies sich und erweist sich die Gemeinde als Übungsfeld, sich der Angst zu stellen. Weshalb? Weil wir hier genauso auf Unglaube und Widerstand treffen können, wenn wir bezeugen, was Gott getan hat.
Marias Nachricht wurde als Hysterie, Verrücktheit, Weibergeschwätz abgetan, wie wir bei Lukas lesen können. Als die Jünger dann doch von Jesus vom Gegenteil überzeugt wurden, erzählten sie es Thomas. Der bügelte sie ab: „Ihr könnt mir alles erzählen, aber wenn ich nicht selbst meine Hände in seine Wunden in der Seite und den Händen lege, glaube ich gar nichts.“ Ohne die erfahrene Liebe von Jesus und unsere Liebe zu Jesus, bliebe die gute Nachricht auf der Strecke. Aber diese Liebe bringt uns in Bewegung. Wenn schon Gemeindeglieder sich schwer tun, die Wirklichkeit der Auferstehung im Leben zu beherzigen, wie viel mehr Menschen, die Gott noch nicht kennen! Wir müssen uns der berechtigten Furcht stellen, abzublitzen, denn wir können nur bezeugen, was wir erlebt haben, aber nicht beweisen. Vielleicht haben die Apostel Maria entgegnet: „Warum hast Du Jesus nicht gleich mitgebracht?“ Vielleicht hat Thomas gemeint: „Weshalb habt ihr ihn nicht gebeten zu bleiben, bis ich wieder da bin. Wo ist er denn?“ Oder wie ein Kind es formulierte: „Den Gott, von dem Du erzählt, den gibt’s doch nicht. Ich habe ihn noch nie gesehen.“
Wir haben zuerst einmal nichts, als Worte, - Worte, mit denen wir bezeugen, was wir mit Jesus erlebt haben. Aber können nicht über Jesus verfügen und ihn zum Beweis aus der Tasche holen. Doch wir werden die Angst vor den Reaktionen überwinden, wenn wir vertrauen, dass Jesus sich zu unserem Zeugnis stellen wird, wie damals, als er trotz verschlossener Türen in den Raum trat und sich offenbarte.
Bis sich Jesus den Jüngern offenbarte musste Maria aushalten, als hysterische und durchgeknallte Frau abgetan zu werden. Bis der Auferstandene Jesus Thomas aufforderte seine Hände in seine Wunden zu legen, mussten sich Jünger anhören, jeglichen Bezug zur Realität verloren zu haben. Aber sie wussten: Sie hatten Jesus selbst erfahren und Jesus offenbarte sich. Es dauerte dann noch eine Weile bis die Apostel sich nicht mehr hinter verschlossenen Türen versteckten, sondern rausgingen und offen von Jesus sprachen.
Was führte dazu dass sie nicht länger schweigen wollten, selbst als sie deswegen angefeindet wurden: „Die Liebe des Christus treibt uns an!“ – gibt Paulus zur Antwort. „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ – meinte Petrus, als ihm verboten wurde zu predigen. Je größer uns Gottes Liebe wird und je mehr unsere Liebe zu Christus wächst, desto mehr müssen Furcht und Angst weichen. Furcht ist nicht in der Liebe. Die Liebe überwindet die Angst. Sie stellt sich ihr. Ja ich habe immer wieder Angst, aber ich darf getröstet sein, Jesus hat die Welt, die mir Angst macht überwunden.
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