04 Großputz PDF Drucken E-Mail
Markus 11,15-17

Großputz

Die Erdbeben und der Tsunami in Japan, dazu die drohende nukleare Katastrophe in Fukushima, Bürgerkriege und Volkserhebungen in Afrika - Die Kette der erschreckenden Meldungen reißt nicht ab.  Jesus lehrte, dass diese Welt aus den Fugen gerät, bevor er wiederkommt als Herr und Richter. Er wird eine neue Erde und einen neuen Himmel erschaffen.  

In diesem Zusammenhang ist auch das folgende Zeichen zu sehen, welches Jesus setzte. In Markus 11,15-17 lesen wir:

Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an, auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.

Jesus setzte Zeichen - auch für uns.
Achtung:
1)     Macht Platz für Gott. Er will neu beginnen!
2)    Gottes Liebe gilt allen Menschen
3)    Gott ist und bleibt der Herr „im Haus“

Zu 1) Macht Platz für Gott. Er will neu beginnen!

Der liebende und leidende Christus ist uns vertrauter als der streitbare und zornige. Jesus als Rausschmeißer, das irritiert. Doch auch in seinem Zorn ist Jesus nicht blind, sondern voller Liebe. Dies zeigt sich  in den Details, z.B. im Parallelbericht bei Johannes. Er stößt die Vogelkäfige nicht einfach um, sondern befiehlt den Taubenhändlern das Feld zu räumen.
 
Um seiner Liebe willen zeigt Jesus Härte: Es kann und soll nicht alles bleiben, wie bisher. Gott will Neues schaffen und fängt bei seiner Gemeinde an.

Was hat ihn so zornig  gemacht?
 
Der Tempel in Jerusalem war kein Haus wie jedes andere. Es war der Ort, an dem Gott zugesagt hatte, sich finden zu lassen. Bis zum Kommen von Jesus war er der sichtbare Ort der Gegenwart Gottes.
Zum Passahfest wurde Jerusalem von Pilgern überschwemmt, wie Dresden zum Kirchentag. Und wo viele Menschen sind, kann man in der Regel auch etwas verdienen. Die Priester wollten am Geldsegen teilhaben. Das war nicht schwer:
Für den Gottesdienst wurden makellose Opfer benötigt. Doch indem die Priester mitgebrachte Tiere unter dem Vorwand eines Makels ablehnten, zwangen sie die Pilger zum Kauf der überteuerten Tiere im Tempelbezirk, die ihnen gehörten oder strichen eine dicke Provision von den Händler ein.  

Die Tempelsteuer musste in Schekel, später in tyrischer Währung bezahlt werden. Allein diese Münzen waren ohne Symbol eines heidnischen Gott- Königs. Die Priesterschaft verpachtete daher Wechselstuben und sicherte sich damit die Beteiligung am Gewinn.

Jesus bezeichnete den Tempel als Räuberhöhle, weil der Gottesdienst zur persönlichen Bereicherung genutzt wurde.

Es liegt auf der Hand: Der Ärger über Abzocke und Übervorteilung überschattete den Opfergottesdienst. So trieb das Verhalten der Priesterschaft einen Keil zwischen die Pilger und Gott.

Was geht uns das an?  Kirchen sind nicht der Tempel. Christliche Gottesdienste sind nicht an Ort und Zeit gebunden, sondern dort, wo zwei oder mehr Menschen sich im Namen von Jesus versammeln, denn Jesus hat zugesagt dabei zu sein.

Doch fragen wir uns einmal: Worum geht es mir in erster Linie im Gottesdienst? Stellen wir uns der Begegnung mit Gott, oder stellen wir unsere Ansprüche an den Gottesdienst?

Worum geht es Dir im Gemeindeleben? Z.B., die eigenen Ideen durchzusetzen,  Bestätigung, nützliche Kontakte… Jesus setzt mit der Tempelreinigung das Signal: Was nicht im Dienst steht, steht im Raub. Doch Gott will nicht, dass wir ihn verpassen, sondern uns dabei haben, wenn er wirkt. Damit bin ich bei

2)  Seine Liebe gilt allen Menschen.

Der Tempel In Jerusalem umfasste eine riesige Hochfläche. im Süden maß er 280 m, im Norden 315, im Osten 470 und im Westen 485 m. Das Gelände war in verschiedene Höfe unterteilt.  Diese Höfe waren tagsüber rund um die Uhr für Gebet und Gottesdienste geöffnet. Als blasser Vergleich können uns die offenen Kirchen dienen.
Der Vorhof der Heiden war der Ort, an dem Nichtjuden in die Gegenwart Gottes treten durften.
Die Händler und Wechsler nutzten diesen Vorhof, auch weil er der größte war. Einmal hat ein Händler allein 3000 Schafe auf diesen Platz getrieben.

Jesus greift ein und greift durch, weil der Platz für die Heiden besetzt worden war!  Inmitten dieses Treibens war nicht daran zu denken, zur Stille zu kommen. Der Platz bot zudem die Möglichkeit den Weg durch die Stadt abzukürzen und glich einer Einkaufsstraße.

Was die Heiden vom Gottesdienst mitbekamen, war das Feilschen und der damit verbundene Ärger. Es musste der Eindruck entstehen: Gottesdienst ist ein Geschäft. Letztlich wollen die doch nur Geld sehen, um sich zu bereichern.
Dagegen stand die Verheißung und das Ziel: „Durch dich sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ M.a.W.: Ihr sollt für andere da sein. Gottes Liebe gilt allen Menschen. Er will, dass allen geholfen wird, indem sie Gott begegnen und so die Wahrheit erkennen.

Die Frage, die sich daraus für uns ergibt, lautet: Verbauen wir womöglich anderen den Weg zu Gott? Womit? Wodurch?

Z.B. indem man gar nicht erst die Türen aufmacht, unter sich bleibt. Indem man gedankenlos miteinander umgeht. Unser Verhalten ist eine Erlebnispredigt, noch bevor der
Gottesdienst als Veranstaltung begonnen hat.

Verbauen wir durch die Turngruppe und den Kinder-Flohmarkt im Gottesdienstraum Menschen den Weg zu Gott? Besetzen wir damit den Platz, den wir ihnen geben sollen?
Ich meine: „Nein“. Auch wenn  es keine Gottesdienstveranstaltungen sind, dienen hier Gemeindeglieder anderen Menschen, mit dem Ziel ihnen Gutes zu tun.
Indem sie ihre Gastfreundschaft erleben, werden sie eingeladen zu Gott zu kommen. Es bietet sich an, über das zu reden, was sonst in diesem Räumen geschieht und sie zum Gottesdienst einzuladen. Die Teams bekommen gespiegelt, wie wohltuend die Atmosphäre ist.

Das ist nur eine Facette. Ich frage mich: Wie lange wollen wir uns um uns selbst drehen, während darüber die Menschen ohne Hoffnung sterben?
Wie können wir es ihnen sagen und zeigen, dass Gott sie liebt, vergibt und neuen Anfang schenkt? Denn:

3) Gott ist und bleibt der Herr im Haus, der Herr seiner Gemeinde

Jesus setzte Zeichen. Er handelte als der Messias, von dem in
Mal 3,1 geschrieben steht: Es wird kommen der Herr zu seinem Tempel – und wer wird bestehen, wenn er erscheint.
Und Sach 14,21: …und es wird keinen Händler mehr geben im Haus des Herrn Zebaoth zu der Zeit.

Jesus handelte als Hausherr. Von daher waren die Frage: In welcher Vollmacht tust Du das? von der das Johannesevangelium berichtet, verständlich.  
Jesus tritt mit dem Anspruch auf, die Schlüsselgewalt über unser Leben zu haben. Wir stehen vor der Entscheidung, uns ihm zu öffnen und zu vertrauen, oder ihm zu misstrauen und uns zu verschließen.

In seinem Buch „Ich – einzigartig“, entfaltet John Ortberg: Wir haben als Christen verinnerlicht durch Gnade Gemeinschaft mit Gott haben zu dürfen. Das Leben als Christ ist aber oft vom Bemühen ein christliches Leben zu führen und von Vergleichen mit anderen geprägt.
Ein Symptom dafür ist das schlechtes Gewissen, weil man nicht so viel betet, kein geistliches Tagebuch führt, beim
Bemühen früh aufzustehen, um in der Bibel zu lesen, sich als unausstehlichen Morgenmuffel erfährt, usw.

Was passiert da? Im Bild von den Schlüsseln gesprochen. Wir lassen Jesus im Wohnzimmer sitzen während wir versuchen die einzelnen Lebensräume aufzuräumen bzw. zu gestalten.
 
Dabei kommen wir an unsere Grenzen. Unser Glaube wächst nämlich nicht durch unsere Anstrengung, sondern ebenfalls durch Gnade. Geben wir ihm Raum. Überlassen wir ihm immer wieder neu das Feld. Dann wird unser ganzes Leben zum Gottesdienst.


Macht Platz für Gott. Er will neu beginnen!
Gottes Liebe gilt allen Menschen
Gott ist und bleibt der Herr „im Haus“




 
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