02 Wenn der Tod zu früh kommt PDF Drucken E-Mail

14.11.2010 Volkstrauertag

Wenn der Tod zu früh oder zu spät kommt…         


Der Tod kommt nicht passend. Er kommt, wie es scheint, zu früh oder zu spät…   Der junge Mann (aus dem Anspiel) auf dem Bahnsteig hatte noch so viel vor, die alte Frau schon so viel hinter sich. Mit dem Verlust ihres Mannes hatte sie auch ihren Lebensmut eingebüßt.
Diese zwei Erfahrungen sind kein Einzelfall:
„Der Tod kommt zu früh!“ – Da sterben junge Mütter und Väter an heimtückischen Krankheiten. Den Kindern fehlt die Mutter oder der Vater.  
„Zu früh!“ klagen Eltern am Grab ihres Kindes: „Unser Kind hatte doch noch sein Leben vor sich!“
„Zu früh!“ – mahnen die Gräber von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen, die durch Gewalt und Krieg starben. Der heutige Volkstrauertag erinnert an die Opfer des 2. Weltkrieges, Open Doors an die Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt und getötet werden.


„Der Tod kommt zu spät!“ meinen viele über 70 jährige. Die Selbstmordrate steigt in diesem Alter dramatisch an.
„Der Top kommt zu spät!“, empfinden Angehörige, wenn ein lieber Mensch geistig und körperlich total zerfällt. Manchmal wird  der Körper des Kranken nur noch durch High- Tech- Geräte am Leben erhalten.  Es besteht keine Aussicht auf Rückkehr ins Leben, auf Kontakt. Verlängert die Medizin in diesen Fällen nicht nur das Leiden?
Der Glaube an Gott ist keine Garantie vor solchen belastenden Herausforderungen verschont zu bleiben.
Schon Hiob klagte gegenüber seinen Freunden, die ihm in seiner Krankheit beistehen wollten:  Hiob 6,8-10:
8 Könnte meine Bitte doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe!  9 Dass mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und mir den Lebensfaden abschnitte! 10 So hätte ich noch diesen Trost und wollte fröhlich springen - ob auch der Schmerz mich quält ohne Erbarmen -, dass ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen. 11 Was ist meine Kraft, dass ich ausharren könnte; und welches Ende wartet auf mich, dass ich geduldig sein sollte?

Es gibt Momente, ja Stunden, Tage, Monate, Jahre in denen jeder Tag nur Schmerzen, Leid und Qual verlängert. Das macht mürbe und lebensmüde.
Alt und lebenssatt nach einem erfüllten Leben zu sterben ist keine Selbstverständlichkeit. Daran ändern auch nichts die sehr guten Lebensbedingungen in unserem Land und die hohe Lebenserwartung.
Der Tod kommt zu früh, wird gesagt, wenn jemand sein Leben nicht ausschöpfen konnte, und zu spät,  wenn das Leben leer, ziellos und sinnlos geworden ist.
Aber treffen diese Empfindungen das Problem? Greifen sie nicht zu kurz, weil wir dabei nur von uns her denken?
Weshalb müssen wir denn früher oder später sterben? Und was kommt danach?
Das Anspiel wirft diese Frage auf, indem es den Tod mit einem Zug verglich. Unwillkürlich stellt sich doch die Frage: Wohin geht die Reise?

„Wenn man das wüsste…!“ zucken viele Menschen die Achseln. Das scheint unser Dilemma zu sein: Wir können einen Toten ja nicht fragen, wo er jetzt ist. Er ist ja tot. Sämtliche Körperfunktionen sind eingestellt und das lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen. Müssen wir mit und in dieser Ungewissheit leben?  
Die Bibel spricht da eine andere Sprache. Psalm 90,12 betet Mose:
Herr lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.  
Wie kommt er dazu? Zu wissen, dass man sterben muss, macht doch noch nicht klug. Dem jungen Mann im Anspiel machte es nervös. Ja das Wissen kann auch Angst auslösen: Wie viele versuchen das Leben wie eine Zitrone auszupressen, um rauszuholen, was sie noch rausholen können.

Und die ältere Frau machte das Wissen um den Tod auch nicht klug, sondern depressiv. Ihr Leben schien ihr sinnlos zu sein.
Sicher- der Tod macht alle gleich. Aber ist das alles, was er uns zu sagen hat?
In seinem Gebet stellt Mose den ewigen Gott dem vergänglichen Menschen gegenüber. Damit leitet er an, unser Leben und Sterben in Beziehung zu Gott zu sehen.
Weshalb müssen wir sterben? Weshalb ist unser Leben so angelegt, dass es nach Wachstum, Blüte und Reifen vergeht. Was bleibt als Frucht? Und weshalb ist unserer Kraft ein Verfallsdatum aufgedrückt?  
Mose leitet uns diese Fragen im Angesicht der Wirklichkeit Gottes zu stellen. Wenn sie verstellt ist, dann ist auch der Zugang zur Lösung dieser Fragen verstellt.
Wer seine Fragen im Angesicht Gottes stellt erlebt, wie er sein Licht auf das Dunkel unseres Lebens und Sterbens wirft.
In seinem Gebet in Psalm 90 sprach Mose diese Erkenntnis aus: „Unsere Missetaten stellst du, Herr, vor dich, unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz!“ (v.6-8)

„Am Widerstand Gottes gegen unsere Sünde zerbricht unser Leben…“ schreibt H. Lamparter dazu.  „In unserem Sterben erfahren wir, dass unser Leben nach Gottes Urteil nicht wert ist, ewig gelebt zu werden.“
Gott sagt uns quasi: „Mensch, so kann es nicht weiter gehen!“
Gehen damit nicht alle Lichter aus? Doch das macht eher depressiv als weise? Mose betete auch nicht resigniert, sondern voller Vertrauen zu Gott: „Herr Du bist unsere Zuflucht von Generation zu Generation“. (Ps 90,1)
Aus dem Dilemma finden wir nur, wenn wir die Flucht vor Gottes Urteil zu Gott hin antreten. Weshalb?
Weil Gottes Zorn über die Sünde, seine Liebe zu den Sündern entspricht. Wer von der Liebe Gottes ohne den Zorn Gottes spricht, höhlt sie aus.

Gott sagt uns in seinem Wort, wohin die Reise geht: Vor sein Angesicht. Mit dem Tod hat er jedem Menschen eine Grenze gesetzt. Wir alle werden einmal sterben, um uns vor Gott zu verantworten.
Ulrich Parzany bringt es so auf den Punkt: „Unsere Sorge ist in der Regel die unbekannte Zukunft … aber die Bibel lehrt uns, dass unser eigentliches Problem die unbekannte Vergangenheit ist.“ Mit Mose gesagt: „Unsere unerkannte Sünde stellst du ins Licht vor deinem Angesicht“.

Hier ist von der verborgenen Schuld die Rede. Sie ist unsere Todkrankheit. Es ist die Schuld die wir verstecken oder schönreden. Oftmals haben wir sie noch gar nicht erkannt, weil unser Gewissen sie nicht wahrgenommen hat.
In Psalm 19,13 lesen wir: Wer merkt, wie oft er Fehler macht? Verzeihe mir die verborgenen Sünden!
Der Tod ist Gottes Alarmsignal: So geht es nicht weiter. Nicht mit ihm! Aber es soll mit uns weiter gehen. Mit ihm!
Dazu benötigen wir seine Vergebung, einen neuen Anfang.
Die Frage, ob der Tod zu früh oder zu spät kommt, stellt sich in diesem Licht ganz neu. Ein langes Leben kann zu kurz gewesen sein, weil die Chance verpasst wurde, sich Gottes Urteil und Liebe zu öffnen. Ein kurzes Leben kann lang genug gewesen sein, sich für sie zu öffnen.
 
Menschen, die nicht an Gott glauben wenden ein: „Gott gibt’s doch gar nicht. Das habt ihr euch alles ausgedacht.“
Diejenigen möchte ich bitten, sich einmal auf die historischen Fakten einzulassen. Der Kreuzestod von Jesus ist historisch sicher bezeugt. Daran ändert auch der Koran nichts, der ihn leugnet, weil er darin einen Angriff auf die Größe und Erhabenheit Gottes sieht.
Der springende Punkt ist nämlich, dass Jesus in dem Bewusstsein und in der Vollmacht auftrat: Wer mich sieht, der sieht Gott, den Vater.

Nun starb er am zu Tode gefoltert am Kreuz. Ihm blieb der Tod, der Zorn Gottes nicht erspart. Seine Gegner jubelten: „Er ist widerlegt“. Seine Schüler waren verzweifelt: „Wir dachten, er würde Israel befreien“.
Doch dann bezeugt eine bis heute nicht abreißende Kette von Menschen: Jesus ist auferstanden. Er lebt. Seine Schüler stehen mit ihrem Leben dafür ein: Was wir gesehen haben mit unseren Augen, was unsere Hände betastet haben, das bezeugen wir.
Paulus, erst ein fanatischer Gegner wird zum Bekenner:
2 Tim 1,10 … (Die) Erscheinung unseres Heilands Christus (offenbart) Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Diese Kette der Zeugen gilt es zu prüfen, denn was sie sagen weitet unseren Blick über die Grenzen unseres Lebens hinaus.
Der Kreuzestod von Jesus uns seine Auferstehung sind Gottes Aufstand gegen den Tod.
Der Tod ist kein Freund. Er ist und bleibt der Feind des Lebens, weil er vom Leben abschneidet. Gott hat sich nun selbst unter den Tod gebeugt. Er nimmt diese Trennung in sich auf. Sprich, all die Schuld, all die Verletzungen nimmt er auf sich.
Wozu?  Um für uns den Weg zu ihm frei zu machen. Um uns einen neuen Anfang zu schenken.
Vergebung ist nicht gerecht. Sie ist nie verdient, sondern sie ist und bleibt sein Geschenk. Wir sind verkehrter als wir wahrhaben wollen und geliebter als wir glauben.
 
Sein Urteil und seine Vergebung annehmen. Dann kann der Tod früher oder später kommen, denn wir wissen, wohin die Reise geht.
Gott hat mehr mit Dir vor als wir uns vorstellen können: Er will mit uns in Ewigkeit leben. Das gilt es zu bezeugen, damit die Trauer der Freude weicht.




 
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