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01 Scheidung und Wiederheirat |
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Wieder allein? Scheidung und Wiederheirat...
Scheidung und Wiederheirat sind in unserer Gesellschaft fast zu selbstverständlichen Erfahrungen geworden sind. Es mag verwundern, aber zur Zeit von Jesus war das ebenso, obwohl die Gesellschaft eine andere war. Damals in Israel war eine Frau zeitlebens von einem Mann abhängig. Bis zur Hochzeit unterstand sie dem Vater, danach ihrem Mann. Der Mann „nahm” sich eine Frau. Nur er konnte sich scheiden lassen. Die Frau hatte nichts zu sagen. Es reichte ihr vor Zeugen ein Dokument auszustellen, dass man sich von ihr getrennt hatte und sie wegzuschicken. Heute wird die Ehe als Liebesgemeinschaft gleichberechtigter Partner verstanden. Die Erwartungen aneinander sind hoch. Übrigens reichen mehr Frauen als Männer die Scheidung ein.
Weil man nicht sicher ist, ob eine Beziehung bis zum Lebensende hält, verzichten viele Paare ganz auf den Trauschein. Der Trend vielfältige sexuelle Erfahrungen mit verschiedenen Partnern vor der Ehe zu sammeln, macht es schwerer, sich in der Ehe für den Rest des Lebens an einen Partner zu binden.
Beziehungen sind zerbrechlich. In den letzten Jahrzehnten hat der Staat sich bemüht, Scheidungen zu erleichtern. Er trägt damit nicht nur der Entwicklung Rechnung, dass sich viele Eheleute das Leben schwer machen, sondern auch dem Bewusstseinswandel: Aus „Bis der Tod uns scheidet” wurde „solange es gut geht”, was nicht lange gut geht.
Diese Entwicklung hat Sogwirkung, ob wir wollen oder nicht. Damals in Israel sprach man schließlich vom „Recht” sich scheiden zu lassen. Man bezog sich dabei auf 5. Mose 24. Dort wird eigentlich nur im Rahmen eines anderen Falles berichtet wie eine Scheidung vor sich ging: Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet und es geschieht, daß sie keine Gunst in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat und er ihr einen Scheidebrief geschrieben, ihn in ihre Hand gegeben und sie aus seinem Haus entlassen hat, 2 und sie ist aus seinem Haus gezogen und ist hingegangen und <die Frau> eines anderen Mannes geworden, ... -
Nun stritt man darüber, was das Anstößige sei, - sprich wann Ehe geschieden werden konnte. Rabbi Schammai meinte: Nur bei sexuellen Vergehen. Rabbi Hillel sah in verweigerter Gehorsam, verbranntem Essen unzureichende Fähigkeiten Anstoß genug, sich zu trennen. Für Rabbi Akiba reichte die Tatsache, dass Mann eine andere Frau findet, die einem besser gefällt. In diese Diskussion über Scheidungsgründe wurde auch Jesus verwickelt. Er wurde gefragt: Ist es einem Mann erlaubt, aus jeder beliebigen Ursache seine Frau zu entlassen? M.a.W.: Hältst Du es mit Rabbi Akiba und Hillel oder mit Rabbi Schammai? Doch Jesus antwortete: „Habt ihr nicht gelesen, daß der, welcher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein », so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch? Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.”
Alles wird schief, wenn wir uns auf Scheidungsgründe fixieren. Das Ziel muss der Erhalt der Ehe sein. Jesus lenkt darum unseren Blick auf Geheimnis und Sinn der Ehe. Zwei gleichwertige Partner wagen es, sich miteinander zu verbinden. Sie werden von Gott zu einer lebenslange Einheit verbunden. Die Ehe ist ein Bund! Keine zwischenmenschliche Verbindung greift tiefer in unser Leben ein. Sie verändert uns. Zwei Menschen werden ein Fleisch, eine Einheit. Was den einen trifft, betrifft auch den anderen.
Ihr Geheimnis ist weder Romantik noch die erotische Anziehung, sondern die dienende Liebe. Einer dient dem anderen in Liebe. Frage, ob wir diesen Dienst am anderen zu tun bereit sind?
Die Ehe ist Gott heilig, weil wir Menschen ihm heilig sind. In ihr soll sich die Beziehung Gottes zu uns widerspiegeln. Darum wirken sich unsere Beziehungen, besonders die Ehebeziehung auf unsere Beziehung zu Gott aus. Wer sagt, er liebt Gott und lässt seinen Nächsten links liegen, der spielt nur frommes Theater. Gott lässt das nicht kalt. Schon durch den Propheten Maleachi ließ Gott sagen, als Volk sich klagte, dass er auf ihre Gebete und Opfer nicht mehr einginge: 2,14ff ....Deswegen weil der HERR Zeuge gewesen ist zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, wo sie <doch> deine Gefährtin ist und die Frau deines Bundes. Und hat er sie nicht zu Einem gemacht? Zu einem Fleisch, in dem Geist ist. Und was erstrebt das Eine? Nachkommenschaft von Gott. So hütet euch bei eurem Leben! Und an der Frau deiner Jugend handle nicht treulos! 16 Denn ich hasse Scheidung, spricht der HERR, der Gott Israels...
Der Ehebund lebt von der Treue. Vertrauen in die Liebe des anderen. Echte Partnerschaft, wirkliche Einheit, darum hasst Gott Scheidung.
Warum und wozu hat dann Mose ermöglicht, sich von seiner Frau scheiden zu lassen? fragten die Pharisäer Jesus. Jesus: „Mose hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen.” Jesus kommt es darauf an, dass wir zwischen Zielvorgabe und Notlösung unterscheiden.
Scheidung ist kein Recht, sondern nur ein Zugeständnis um des harten Herzens willen! Gott erlaubte die Scheidung durch Mose, um Frauen vor hartherzigen Männern zu schützen. Es ist besser, wenn sich ein Mann von seiner Frau scheiden lässt, als dass er ihren Kopf gegen eine Wand schlägt.
Die Ehe ist ein lebenslänglicher Bund, eben bis der Tod die Eheleute scheidet. Aber wir leben in einer Welt, in der die Ehe sterben kann, bevor die Eheleute tot sind. Wie ein totes Bein den Körper zu vergiften droht, so eine tote Ehe, die Eheperson. Scheidung ist wie eine Amputation. Sie ermöglicht mit Einschränkungen zu überleben. Das Scheitern einer Ehe ist immer eine Tragödie und mit tiefen Verletzungen und Wunden verbunden.
Jesus warnt davor die Ehe zu früh für tot zu erklären. Ehepartner die sich auseinandergelebt haben, können sich auch wieder zusammenleben. Darum nennt Jesus an anderer Stelle „Porneia” - Ehebruch, genauer übersetzt Unzucht als Scheidungsgrund. Es geht um ein dauerhaftes zerstörerisches Verhalten, nicht ein Ausrutscher, vor dem niemand gefeit ist. Wir denken bei Unzucht meistens an sexuelle Affären,- - eine Dreiecksbeziehung zerstört die Ehe,aber dauerhaft zerstörerisch sind auch seelische Grausamkeiten, an denen der andere zerbricht, die Gefahr, dass die Kinder und man selbst weiterhin misshandelt werden. - ein unverantwortl. Umgang mit dem Familieneinkommen - eine Sucht, die nur verstärkt wird, wenn sie akzeptiert wird. Ich glaube, dass Jesus uns hier einen Leitgedanken, und kein Gesetz mit auf den Weg gibt. Paulus denkt nämlich bei der Frage, ob man in eine Scheidung einwilligt, wenn der ungläubige Partner sie verlangt nicht gesetzlich, denn er sagt nicht: Ihr dürft euch nicht trennen, außer bei Ehebruch. Stattdessen sagt er, dass sie den Scheidungswunsch des ungläubigen Partners um des Friedens willen akzeptieren sollen.
Doch machen wir es uns nicht zu leicht! Die Ehe ist nicht alle Tage Sonnenschein, Frühlingsgefühle, sondern wie jede Beziehung Wechselspiel von Nähe und Distanz, Genuss und Arbeit unterworfen. Natur mit ihren Jahreszeiten lehrt, Brachzeiten und Loslassen, gehören zum Wachstumsprozess dazu.
Was tun, wenn Ehen scheitern? Das Mosaische Gesetz versuchte die Trennung zu regeln, um sie menschlicher zu machen. Es gab der Frau Rechtssicherheit und die Möglichkeit ihre Existenz zu sichern, indem es die Wiederheirat ermöglichen. Wenn wir die Liebe Gottes beherzigen, die sich darin zeigt, dann werden wir Geschiedene nach der Trennung nicht allein stehen lassen. Geschiedene sind Verwundete. Sie brauchen Hilfe und Begleitung. Belastung oft danach: Nicht genug getan...
Vielleicht haben Sie versagt, aber Gott ist größer als unser Versagen. Seine Gnade und Vergebung deckt alles zu. Wir können die Vergangenheit nicht rückgängig machen, aber wir können von ihrer belastenden Wirkung befreit werden. Gilt auch Geschiedenen. Ermutigen, sich Gottes Liebe und Fürsorge anzuvertrauen. Er will ihnen Zukunft geben:
Was für eine Zukunft?
Paulus riet damals allein zu bleiben, um frei für Gott sein zu können. Doch was ist, wenn der Wunsch nach einer Partnerschaft stärker ist? Für unsere Gesellschaft keine Frage: Nur zu. Tu was du willst. Wer aber fragt, was Jesus will, den beunruhigt was er in der Bergpredigt sagt: „Wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe” (Mat 5,32 u.a) Ist damit keine Wiederheirat möglich? Warum ist Jesus so scharf? Wogegen wandte er sich?
Ein Beispiel gibt seine Begegnung mit der Frau am Jakobsbrunnen: Fünf Männer hat sie gehabt, nun lebte sie nur noch so mit einem Mann zusammen. Jesus beschrieb die Tatsachen, ohne sie zu verurteilen, denn fünf Mal war diese Frau weggeworfen worden, und so zum Gebrauchsgegenstand gemacht worden, dass man sie auch als Konkubine haben konnte. Jesus wendet sich in seinem Wort gegen Lebensabschnittspartner, Partnerschaften, die den anderen „ab“-lieben, gebrauchen, benutzen, dann beiseitestellen. So wird die Ehe zur Farce.
Wieder ist dieses Wort nicht gesetzlich anzuwenden. Hören wir einmal auf die Liebe in dieser Wegweisung. Der Ehebund ist als Schutzraum gedacht. Beziehen wir die Möglichkeit der Vergebung ein. Ein lösendes Wort kann ein erlösendes sein und neues Verhalten ermöglichen. Martin Buber Geschichte: Geschichten zum Sakrament der Ehe S. 71: Sussjas Frau war ein zänkisches Weib und lag ihm beständig in den Ohren, er solle sich von ihr scheiden lassen, und sein Herz war schwer von ihrer Rede. Eines Nachts rief er sie an und sprach zu ihr: „Sieh her!” Und er zeigte ihr, dass sein Kissen ganz feucht war. Dann sprach er weiter zu ihr: „Es steht geschrieben in der Gemara: „Wer sein Weib vertreibt, der Altar selber vergießt Tränen über ihn. Von diesen Tränen ist das Kissen durchnässt. Und nun, was willst Du noch? Willst Du noch den Scheidebrief?” Von diesem Augenblick an wurde sie still. Und als sie still geworden war, wurde sie froh. Und als sie froh geworden war, wurde sie gut.
Aber auch da, wo Versagen und Scheitern ehrlich vor Gott gebracht wurde, gilt es die Vergebung zu glauben. So wir unsere Sünden bekennen, so treu und gerecht, dass er Sünde vergibt. Es gilt die Vergebung zu leben, auch nach gescheiterten Ehen. Vergebung ermöglicht einen neuen Anfang. wird. Dtl. Wenn das Leben allein Qual ist, ist die Notlösung, Freiheit zur Wiederheirat. Die Frage ist: Worin können die Betroffenen besser leben, und das Reich Gottes besser fördern? Es ist das Gesetz der Liebe, welches die Möglichkeit zur Wiederverheiratung öffnet. Das entbindet uns nicht, sorgsam die Probleme zu bearbeiten: Emotionale Wunden und sexuelle … Verletzungen müssen aufgearbeitet werden. Jede Trennung gibt die Aufgabe mit auf den Weg, an den Knackpunkten, an denen die Ehe zerbrach, zu arbeiten.
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